Der gemeinsame Nenner ist ein Gefühl der intensiven Angst, Hilflosigkeit, des Kontrollverlusts und drohender Vernichtung, ausgelöst durch überwältigende Lebensereignisse wie:
Stürze, Autounfälle, Elektrisierung -- Erdrosselt werden, Ersticken, Ertrinken -- Vergewaltigung, Schändung, Folter -- Fieber, Vergiftung, medizinisches Trauma -- Zeuge oder Opfer von Gewalt, Kriegstrauma, Naturkatastrophen -- Geburtstrauma, Verlassenwerden, Entbehrung, Verlust einer geliebten Person
Zum Hintergrund der Traumabearbeitung: Die Regulation der Erregung im Nervensystem
Drei Funktionsebenen des Gehirns sind bei einem Trauma beteiligt:
Das limbische System im Gehirn steuert und verarbeitet emotionales Erleben, während der Neokortex die kognitive Informationsverarbeitung leistet. Das älteste, das Reptiliengehirn steuert die lebenserhaltenden Verteidigungsmechanismen auf eine Bedrohung. Normalerweise besteht im autonomen Nervensystem eine sanftes reguliertes Fließen und Übergehen zwischen sympathischer und parasympathischer Erregung und Entladung. Der Parasympathikus entlädt sich automatisch, wenn der Sympathikus sich aktiviert und umgekehrt.
Die sympathisch aktivierte Reaktion besteht aus Kampf oder Flucht und die parasympathisch aktivierte Reaktion aus Erstarrung und Totstellen. Oft werden diese Verhaltensprogramme durch ein Trauma im Zustand hoher Aktivierung fixiert. Wenn die Selbstregulierung der Erregung blockiert oder gestört ist, entwickeln sich Trauma-Symptome. Sie sind für das menschliche System ein Weg, um die nicht abgeleitete Aktivierung zu binden. Ein dereguliertes Nervensystem ist wie ein Auto mit angezogener Handbremse, bei dem Vollgas gegeben wird oder wie eine Achterbahn außer Kontrolle. Das Nervensystem wird überaktiviert, wenn es Stimulierungen ausgesetzt ist, die zu schnell, zu plötzlich und zu stark sind, das normale Funktionieren wird dadurch unterbrochen. Die Symptome sind vorhersehbar, wenn auch viele verschiedene Ursachen ein und dasselbe Symptom produzieren können und umgekehrt.
Sympathische Überaktivierung (Flucht und/oder Kampf) zeigt sich an einer Tendenz zu Panikattacken oder Angst, übermäßiger Aufmerksamkeit (Hypervigilanz), übertrieben starker Schreckreaktion, Wutausbrüchen, Konzentrationsschwierigkeiten, Manie und Unfähigkeit, sich zu entspannen oder zu schlafen bzw. einzuschlafen.
Parasympathische Überaktivierung (Erstarrung) kann bestehen unter anderem in Depression, Abwesenheit, dem Gefühl, tot zu sein, Entfremdungsgefühle, Apathie, Antriebslosigkeit, Erschöpfung, Dissoziation und Unfähigkeit, Gefühle zu empfinden und sich einzulassen, langfristig auch Bindungsunfähigkeit.
Auf körperlicher Ebene können Rückenprobleme, Immunschwäche, hormonelle und viele andere Störungen auftreten.
Im Trauma sind beide Teile des Nervensystems überaktiviert und funktionell aus dem Gleichgewicht. Deshalb muss mit beiden Teilen gearbeitet werden, unter einer Depression liegt Angst und umgekehrt. Allgemein typisch sind die beharrliche Vermeidung von Reizen, die mit dem Trauma in Verbindung stehen (z.B. Vergessen eines wichtigen Aspektes des Traumas u.a.) und eine allgemeine Reaktionsstarre. Oft liegt die Begleiterscheinung eines Traumas als Gefühl einer eingeschränkten Zukunft vor: die Person glaubt z.B. nicht an eine berufliche Karriere, Heirat, Kinder oder eine normale Lebensspanne.
Diese Symptome, die oft erst Jahre später auftreten können, unterbrechen den Lebensfluss, indem sie vermeidende und einschränkende Lebensmuster erzwingen. Trotzdem müssen sie letztlich nicht als Problem betrachtet werden, weil sie genau zeigen, wo überschüssige Ladung deaktiviert werden soll. Der Therapeut bietet Wahlmöglichkeiten an, der Körper weiß, wie er sich heilen muss.
